Es ist nicht zu leugnen, dass auch die zeitgenössische Kunst vom Kulturhauptstadtjahr profitiert. Viel Geld wird investiert, um Essen und das Ruhrgebiet als Schmelztiegel der Kulturen und der Kultur zu präsentieren. Dennoch bleiben bei all dem Treiben gravierende Probleme ungelöst. Mit der Besetzung des seit 3 Jahren leerstehenden ehemaligen DGB-Sitzes in der nördlichen Innenstadt Essens haben Künstler als Verein "FREIRAUM 2010" auf einen allseits bekannten aber ignorierten Missstand in Essen hingewiesen, der bislang nicht in die Öffentlichkeit drang. Die Kreativen beklagen seit Jahren den Mangel an Ateliers, Werkstätten und Ausstellungsräumen und vermissen hierbei die Unterstützung durch die Stadt und die RUHR2010.

Kreativität unterliegt leider auch in Essen oftmals der Diktatur von Bürokratie und Beamtentum. Monatelange Verhandlungen mit dem DGB und der RUHR2010 um eine Nutzung des ehemaligen DGB-Sitzes an der Schützenbahn kosteten viel Kraft, Geduld und verliefen am Ende doch im Sand. Nicht müde aber werden die Verantwortlichen der Kulturhauptstadt auf der anderen Seite, wenn es darum geht ihr angekündigtes Immobilienprojekt als Lösung des Raummangels für Essener Künstler zu proklamieren. Passiert ist bisher nichts.

Am Sonntag den 18.07. schliesslich drangen 40 Kreativkünstler in das leerstehende Gebäude an der Schützenbahn 11 ohne irgendeine Form der Gewaltanwendung ein und eröffneten mit ihren Arbeiten sogleich eine Ausstellung. Der DGB als Eigentümer der Immobilie äußerte zwar Sympathien für die Besetzer-Gruppe, brachte aber Brandschutzbestimmungen an um sogleich anwaltlich die Räumung des Gebäudes zu fordern.

Es muss dabei ausdrücklich betont werden, dass die Künstlergruppe die Räumlichkeiten an der Schützenbahn nur bis zur weiteren Nutzung durch einen neuen Mieter beanspruchen wollte. Von Beginn der Aktion bis zu ihrem Ende sollten Sachbeschädigungen unbedingt vermieden werden und so konnte bei der Gebäudeabnahme am Dienstag Nachmittag auch VTG ("Vermögensverwaltungs- und Treuhand-Gesellschaft des DGB") und DGB keinerlei Beschädigungen feststellen.

Ein besonders schlechtes Bild hinterließ in den letzten Tagen die Abordnung der VTG, die offensichtlich die Ansichten und Werte der Gewerkschaftsorganisation nicht nur nicht zu teilen scheint, sondern durch ihr Handeln und der nicht vorhandenen Bereitschaft zum Kompromiss konterkariert. Hier wackelt zum Nachteil der Kultur und des Ansehens des DGB der Schwanz mit dem Hund und nicht umgekehrt.

Die "Zwischenmieter" mussten das Haus räumen und so steht das DGB-Gebäude nach 3 Tagen der Belebung heute wieder leer und ungenutzt da. Auch wenn sich die Hoffnung auf ein Einlenken des DGB nicht bestätigen sollte, hat FREIRAUM 2010 stellvertretend für Künstler im gesamten Ruhrgebiet für ihr Anliegen Öffentlichkeit geschaffen durch die wohlmöglich genug Druck auf die Verantwortlichen entsteht. Good luck!

 

Konzept, Bekennerschreiben und Pix auf der Seite des Vereins "FREIRAUM 2010"

besetzte ex-dgb-zentrale

plenum freiraum 2010

besetzte ex-dgb-zentrale

(Pix oben FREIRAUM 2010)

ex-dgb-zentrale

www.freiraum2010.de

weitere Informationen: www.2010lab.tv www.derwesten.de